Geschichte des Rheingaus

» Gepostet von am Sep 10, 2013 in Wanderregion Rheinsteig | Keine Kommentare

Geschichte des Rheingaus

Kleine Landeskunde: Der Rheingau

Rüdesheim, Wiesbaden, Bingen – wer kennt diese Orte nicht. Der Rheingau ist klein, aber oho und besticht durch eine malerische Landschaft mit seinen Weinbergshängen am Rhein, dem Riesling und den charmanten Ortschaften. Geschichtsträchtig ist der Rheingau noch dazu! Hier kommt eine kleine historische Abhandlung über dieses wunderbare Fleckchen Erde am Rhein.

Ich hatte es ja schon in einem der vorherigen Blocks angesprochen, Schloss Vollrads und Schloss Johannisberg gehören zu den ältestens Weingütern im Rheingau. Die älteste Weinrechnung von Schloss Vollrads stammt aus Jahr 1211! Schloss Johannisberg kann sich mit der ersten Spätlese der Welt rühmen. Wer die beiden Schlösser noch nicht gesehen hat, dem möchte ich beide ein weiteres Mal ans Herz legen. Die Schlösser sind herrlich und die Weine im wahrsten Sinne ausgezeichnet.

Archäologische Funde weisen darauf hin, dass der Rheingau schon sehr früh bewohnt wurde. Es gibt Zeugnisse aus der Steinzeit, von den Kelten, natürlich auch von den Römern, später von den Allemannen und Franken. Das Klima ist im Sommer warm und trocken und im Winter mild. Nah am Fluss wachsen in den Gärten Feigenbäume, Oliven, Aprikosen und Pfirsiche, während in den Steilhängen der Wein besonders gut macht. Kein Wunder also, dass die Römer das Wetter für sich zu Nutze machten und damals schon Wein anbauten. Aus dem frühen Mittelalter stammt die erste urkundliche Erwähnung (aus dem Jahr 772, um genau zu sein). Zu dieser Zeit herrschten die Franken in der Region und teilten ihre Großgaue in kleinere Gebiete auf. Der Teil Rheingau erstreckte sich damals von Wallufbach bis zum Elsterbach in Winkel. Allerdings gewann das Erzbistum Mainz immer mehr an Einfluss und trug so zur wechselvollen Geschichte einiger Burgen und Schlösser bei.

600 Jahre lang war der Rheingau bis Ende des 18. Jahrhunderts vom Rheingauer Gebück, einer aus „gebückten“ Buchen bestehenden natürlichen Grenzbefestigung, umschlossen. Anfang des 18. Jahrhunderts gehörte der Rheingau an Nassau-Usingen, später im Verlauf des gleichen Jahrhunderts wurde der Rheingaukreis ein Landkreis von Hessen-Nassau. Der Rheingaukreis wurde 1977 aufgelöst und spielt als politische Verwaltungseinheit heute keine Rolle mehr. Kulturlandschaftlich aber ist er weiterhin einzigartig und bemerkenswert schön. Heute erstreckt sich der Rheingau rechtsrheinisch von Walluf bis Lorchhausen und zieht sich als sanft gewelltes Hügelland von den Höhen des Taunushauptkammes hinunter bis zum Rhein. Dieser wird hier für 30 Kilometer aus seiner allgemeinen Nordrichtung abgelenkt und fließt bis zum Binger Loch nach Westen, wodurch der Südhang zur dominierenden Geländeform wird. Der steile Einschnitt des Rheins in den Taunushauptkamm vom Binger Loch bis Lorch, wo der Fluss wieder nach Norden fließt, sind noch Teil der Landschaft.

Und der Wein? Die Römer haben ihre Winzermesser zurückgelassen, als sie den Rheingau verließen. Deshalb wissen wir, dass sie schon Wein im Rheingau angebaut haben mussten. Jedoch erst im Früh- und Hochmittelalter erreichte der Weinbau seine wirkliche Blütezeit. Heute zählen die Rheingauer Weine zu den Spitzenweinen hinsichtlich ihrer Qualität. Das Weinanbaugebiet selbst jedoch gehört zu den kleinsten deutschen Anbaugebieten und nur knapp 2,5% der deutschen Weinernte werden hier produziert. Davon sind nochmal 85% Weißweine. Unangefochten mit 80% Anbau ist dabei der Riesling. Der Boden spielt hier für den Geschmack eine besondere Rolle: So sind die Rieslinge aus dem östlichen und mittleren Teil des Rheingaus mit den tiefer gelegenen Lagen auf sandigem Lehmboden meist etwas voller, kräftiger und erdiger als die Rüdesheimer Rieslinge. Hier wachsen die Reben auf Schieferverwitterung und sind daher etwas eleganter und schillender.
Neben dem Riesling muss noch der Spätburgunder erwähnt werden, der immerhin noch zu 12,7% im Rheingau angebaut wird.

Noch ein bisschen mehr Geschichte: Zu Zeiten der Preußen in den 1870er Jahren wurde im kleinen Örtchen Geisenheim die Königlich Preußische Lehranstalt für Obst- und Weinbau gegründet, heute bekannt unter dem Namen Forschungsanstalt für Garten- und Weinbau. Hier kann auch Weinbau und Önologie studiert werden, während in der Forschungsanstalt immer wieder zahlreiche Entdeckungen gemacht werden. So forschte und züchtete schon Hermann Müller aus dem schweizerischen Thurgau 1882 bereits in Geisenheim. Nach ihm ist die zweihäufigste Rebsorte in Deutschland Müller-Thurgau benannt. Diese Sorte ist auch weltweit sehr erfolgreich, da sie kaum Ansprüche an Boden und Klima hat, früh reift und gute Erträge bringt. Leider konnte sich Hermann Müller nicht mehr erinnern, aus welchen Eltern-Reben er diese Rebsorte züchtete, aber 1998 konnte aufgrund gentechnischer Untersuchungen festgestellt werden, dass es sich bei der Müller-Thurgau-Rebe um eine Kreuzung der Sorten Riesling und Madeleine Royale handelt.

So viel also zur kleinen Landeskundes des Rheingaus. Landschaftlich reizvoll, genussreich durch seine Weine, traditionsbewusst und geschichtsträchtig – der Rheingau ist eine Reise wert!

 

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