Mehr als 200 Jahre Rheinromantik

» Gepostet von am Nov 12, 2012 in Wandern | Keine Kommentare

Mehr als 200 Jahre Rheinromantik

Vom Vater Rhein

Ja, der Rhein ist romantisch! Ganz besonders zwischen Mainz bzw. Wiesbaden und Bonn. Die vielen Burgen und Schlösser, die malerischen Ortschaften, die Weinberge, die schroffen Felsen sind einfach von märchenhafter Schönheit. Diese beflügelte schon vor über 200 Jahren Dichter und Maler zu künstlerischen Höchstleistungen, auch bekannt unter dem Begriff Rheinromantik. Darüber will ich heute ein bisschen bloggen.

Für die Faktenliebhaber: Die Rheinromantik bezeichnet die künstlerische Umsetzung der Rheinlandschaft sowie der sagenumwobenen Geschichte während der kulturgeschichtlichen Epoche der Romantik, die eine Zeitspanne vom Ende des 18. bis ins späte 19. Jahrhundert umfasst. Friedrich Schlegel gilt als Begründer der Rheinromantik in Deutschland. Auf den Weg nach Paris durchquerte er das Rheintal und war so begeistert davon, dass er darüber in seinen Reisenotizen schrieb. Aber schon Goethe, Hölderlin und Kleist können mit manchen schriftstellerischen Darstellungen des Rheins als Vorläufer der Rheinromantik genannt werden. Aber warum besann man sich auf einmal so sehr auf das Rheintal? Es war die Reaktion auf das beginnende Industriezeitalter mit all seinen negativ empfundenen Begleiterscheinungen. Vor allem Literaten und Maler wandten sich der Natur und der Vergangenheit zu. Das Rheintal bot genau das, was die Romantiker suchten: Unverfälschte, wilde, ursprüngliche Natur, verwunschene Schlösser und Burgen und regionale Sagen, die viel Raum für die eigene Fantasie boten. Im Grunde war es die “Entdeckung der Langsamkeit” des 19. Jahrhunderts.

“Zu Bacharach am Rheine / Wohnt eine Zauberin, / Sie war so schön und feine / Und riß viel Herzen hin.” Das ist die erste Strophe von Brentanos “Zu Bacharch am Rheine” aus dem Jahr 1802, der damit Heine zu seinem “Lied von der Loreley” anregte. Beide Gedichte sind Beispiele für die Literatur der Rheinromantik. Lord Byron im Übrigen ist der Initiator der Rheinromantik in England. Hier ein Zitat aus seinem “Childe Harold’s Pilgrimage”: “The castled crag of Drachenfels / Frowns o’er the wide and winding Rhine. / Whose breast of waters broadly swells / Between the banks which bear the vine, / And hills all rich with blossomed trees, /  And fields which promise corn and wine, / And scattered cities crowning these, / Whose far white walls along them shine, / Have strewed a scene, which I should see / With double joy wert THOU with me!”  Auch andere betuchte Engländer bereisten diese ungezähmte Natur und berichteten darüber. Die Literaten unter ihnen wie beispielsweise Mary Shelley ließen sich zu ihren Schauergeschichten von dieser Burgenlandschaft mit Vater Rhein inspirieren. Aber nicht nur Dichter, sondern auch Maler waren begeistert vom Rheintal und pinselten die Landschaften was das Zeug hielt. William Turner ist der bekannteste englische Maler für Landschaftsgemälde des Rheintals. Darüber hinaus gab es ganze Ansichtenfolgen oder Reisebeschreibungen als Aquatinten, Lithografien und Stiche. William Tombleson und Clarkson Stanfield sind hier als führend zu nennen.

Die Rheinromantik hat einen Tourismus entstehen lassen, der mit dem Start des regelmäßigen Dampfschiff-Verkehrs seit 1827 ungeahnte Ausmaße bis heute erreicht hat. Schon Mitte des 19. Jahrhunderts sollen es etwa 1 Million Menschen im Jahr gewesen sein, die die Schönheiten an Bord eines Schiffes genossen haben. Und noch heute genießen Touristen von Nah und Fern das gemütliche Dahingleiten auf einem Schiff auf Vater Rhein. Es ist aber auch eine wunderbare Art diese herrliche Landschaft zu genießen. Oder man geht Wandern, den Rheinsteig entlang des Flusses und genießt die Aussicht, die schon die Rheinromantiker vor über 200 Jahren zu schätzen wussten.

 

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