Pilgern – eine Art des Wanderns

» Gepostet von am Feb 28, 2013 in Wandern | Keine Kommentare

Pilgern – eine Art des Wanderns

Durchaus salonfähig: Pilgern

Ungläubige mögen sagen, dass Pilgern auch nichts anderes ist als eine mehrtägige Wanderung. Nun, dass das Pilgern einen religiösen Ursprung und Hintergrund hat, ist wohl allen bekannt und unumstritten. Im religiösen Sinne geht der Pilgersmann bzw -frau in die Fremde zu Fuß zu einem Pilgerort und unternimmt damit eine Wallfahrt. Anlässe dafür können eine auferlegte Buße oder das Bemühen um Sündenablass, die Erfüllung eines Gelübdes, die Hoffnung auf Gebetserhörung in einem bestimmten Anliegen oder auf Heilung von einer Krankheit, religiöse Vertiefung oder Abstattung von Dank sein. Das Ziel des Pilgerorts ist ein als heilig betrachteter Ort wie beispielsweise eine Wallfahrtskirche oder ein Tempel. In allen großen Religionen wird gepilgert.

Jedoch muss man nicht zwangsläufig an Gott glauben oder auf seiner Wallfahrt die Nähe Gottes suchen, um zu pilgern. Es gibt viele Gründe, warum Pilgern bereichern kann. Hape Kerkelings Buch “Ich bin dann mal weg”, in dem Kerkeling die Erfahrungen seines Pilgerns auf dem Jakobsweg beschreibt, hat einen Trend aufgegriffen, der sich schon vor der Veröffentlichung des Buches abzeichnete. Die Gotteserfahrung allein ist heute nicht mehr ausschlaggebend für das Pilgern, auch wenn das Spirituelle immer gegeben ist. Pilgern heute ist aber in erster Linie die Selbsterfahrung und eine Auszeit und damit durchaus salonfähig. Letztlich kann man überall pilgern kann und nicht nur auf den alten, berühmten Pilgerwegen wie den Jakobsweg, denn beim Pilgern ist der Weg das Ziel.

Trotzdem gibt es auch beim Pilgern das ein oder andere zu beachten. Damit man auf langen, schwierigen Wegen bei der Sache bleibt und nicht den Spaß verliert, sollte der “Wallfahrtsort” einen anlocken und reizen. Der Gedanke an diesen Ort sollte eine gewisse Vorfreude darauf mit sich bringen. Als Nächstes wird das Pilgern genauso geplant wie der mehrtägige oder hier sogar vielleicht mehrwöchiger Wanderurlaub (siehe Blog Fit für den Wanderurlaub). Beim Pilgern allerdings würde ich tatsächlich dazu raten, die Übernachtungen vorab zu buchen, denn wer will schon bei der Suche nach sich selbst und/oder Gott auch noch nach einer Schlafmöglichkeit suchen?

Gepilgert wird eigentlich immer in der Gruppe und gilt als Gemeinschaftserlebnis und -erfahrung. In der Gemeinschaft zu pilgern, ist auch sinnvoll, denn im Miteinander kann man Überraschungen besser bewältigen (egal ob positiv oder negativ), Schwierigkeiten besser überstehen und Motivitation finden, sollte die eigene gerade verloren gegangen sein. Das heißt aber nicht, dass man die Wallfahrt quasselnd zurücklegt. Zum Pilgern gehört Schweigen und das sollte auch stattfinden, denn so lassen sich Gedanken klarer fassen, die Augen weiter öffnen und auch die Ruhe kehrt besser ein. Manch einer schweigt vielleicht die gesamte Etappe oder sogar die gesamte Pilgerfahrt. Gesungen wird allerdings auch sehr häufig beim Pilgern, selbst wenn es das Schweigen unterbricht. Singen ist Erbauung und bringt Freude.

So und nun noch ein paar Worte zu den Pilgerwegen: Den Jakobsweg habe ich schon genannt. Er gehört nicht gerade zu den einfachen Pilgerwegen. Ich empfehle ihn also nicht als Pilgerweg für Einsteiger. Einer der bekanntesten Pilgerwege in Deutschland ist der Lutherweg. Er ist 400 Kilometer lang und verbindet Wittenberg mit Eisleben. Ebenso bekannt ist der historische Bonifatiusweg von Hochheim am Main über Frankfurt, Wetterau, Vogelsberg nach Fulda. Aber auch der Keltenerlebnisweg oder der Rheinsteig können als Pilgerwege genutzt werden. Nochmal: Auch ohne religiösem Hintergrund kann das Pilgern als Selbsterfahrung, Sinnsuche, Glücksuche, Finden zu sich selbst und Heilsuche dienen. Deshalb ist eine Wallfahrt mehr als nur ein mehrtägiger Wanderurlaub, auch wenn dieser durchaus zur Wallfahrt werden kann.

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