Rheinsteig im Siebengebirge

» Gepostet von am Okt 3, 2012 in Wanderregion Rheinsteig | Keine Kommentare

Rheinsteig im Siebengebirge

Von Drachen und Riesen

Das Siebengebirge ist nun das letzte Stück Rheinsteig, das uns noch fehlt. Viele Sagen und Legenden kreisen um dieses Mittelgebirge und auch die Namensherkunft ist recht spannend. Dazu aber später mehr. In diesem Teil besteht der Rheinsteig aus weiteren drei Etappen: Linz – Bad Honnef, Bad Honnef – Königswinter, Königswinter – Bonn. Insgesamt sind das noch einmal 53,8 Kilometer mit einer Gesamtzeit von 17 Stunden. Die Strecken werden als mittelschwer bis schwer eingestuft. Insbesondere die Etappe von Linz nach Bad Honnef hat es in sich und gehört zu den schweren Abschnitten des Rheinsteigs. Hier wird ein Maximum an Kondition und sehr gute Wandertechnik erforderlich. Aber es ist eben wie immer. Dafür erhält man auch ein Maximum an Sehenswertem und Naturerlebnis. Das gilt auch für die beiden anderen Etappen. Burgen, Bergminen und Sagen sorgen für Abwechslung. Und der teilweise steil ansteigende Rheinsteig mit Blick hoch über den Fluss sorgt für einen wahren Augenschmaus. Verwunsche Wälder und märchenhaft anmutende Berge entschädigen für die Strapazen und Anstrengungen der Wanderung.

Der Name “Siebengebirge” lässt vermuten, dass das Gebirge aus sieben Bergen bestünde, aber weitgefehlt. Insgesamt besteht das Siebengebirge aus mehr als 50 Bergen und Anhöhen. Aber je nach dem ob man rheinauf- oder abwärts schaut, sieht man ziemlich genau sieben Berge, die allerdings nicht unbedingt dieselben und auch nicht die höchsten sind. Darüber hinaus erscheint es einem durchaus naheliegend, die Zahl 7 mit ihrer hohen Symbol- und Magiebedeutung für ein Gebirge zu wählen, das bis zum beginnenden 19. Jahrhundert als abweisend, undurchdringlich, unheimlich und als Schauplatz von Sagen und Spukgeschichten galt. Eine Sage erzählt von sieben Riesen: Vor langer Zeit floss der Rhein noch nicht direkt von seiner Quelle ins Meer. Bei Königswinter stoppte ein Höhenzug seinen Fluss, so dass sich dahinter ein Stausee bildete. Die Stadt aber hatte kein Wasser und die Bewohner litten sehr darunter. Sie suchten eine Lösung für dieses Problem und fanden diese in besonders kräftigen Riesen, die von den Bewohner schließlich dazu engagierten wurden, einen Durchgang durch den Höhenzug zu graben. Die sieben Riesen kamen und macht sich mit riesigen Spaten auf den Schultern an die Arbeit. Wenige Monate später war es geschafft und das Wasser des Rheins floss ungehindert. Die Riesen wurden reich belohnt und wollten sich auf die Heimreise machen, aber nicht mit dreckigen Spaten. Sie klopften ihre sieben Spaten auf den Boden, damit der Dreck sich löste. Dreckklumpen fielen von den riesigen Spaten auf den Boden und Hügel entstanden, die immer größer wurden. Und schließlich, als die sieben Riesen ihre sieben sauberen Spaten schulterten und sich auf den Heimweg machten, standen an dieser Stelle sieben Berge.

Sehenswürdigkeit ist neben den Orten Linz, Bad Honnef, Königswinter und selbstverständlich auch Bonn, zum Beispiel die Burg Ockenfels. Der Rheinsteig führt uns auf der Etappe Linz – Bad Honnef direkt zu ihr. Die Burg stammt aus dem frühen 13. Jahrhundert und war Hauptsitz der Herren zur Leyen. Heute kann man die Burg von außen besichtigen und das Burgrestaurant mit Terrasse und schönem Blick auf den Rhein lädt zum Verweilen ein. Mal abgesehen davon, dass allein Königswinter und Bad Honnef städtebaulich sicherlich schon sehenswert sind, die eigentlichen Landmarken hier sind das Schloss Drachenburg und der Drachenfels mit namensgleicher Burgruine. Auch um den Drachenfels ranken sich Sagen und Geschichten. Eine davon sorgte für seinen Namen und erzählt von einem fiesen Drachen. Auf seinem Fels wartete er auf Handelsschiffe und sobald eines nah genug war, spuckte der fiese Drache Feuer in diese Richtung und sah erfreut dabei zu, wie die Besatzung qualvoll verbrannte oder im Rhein ertrank. Eines Tages kam wieder einmal ein Schiff, randvoll mit Schießpulver beladen am Drachenfels vorbei. Der Drache bemerkte das Pulver nicht und spie aus seinem sicheren Versteck am Hang des Berges wieder sein Feuer auf das Schiff. Er konnte noch gerade sehen, wie das Schiff Feuer fing. Dann explodierte das Schiff mit einem solch lauten Knall, das man diesen bis nach Köln hören konnte. Die Explosion riss den Drachen weit fort, und er wurde nie mehr gesehen. Aufgrund seiner markanten Erscheinung war der Drachenfels auch immer wieder Subjekt der Rheinromantik.

Naturgeschichtlich entstand der Drachenfels durch aufsteigendes Magma, das nicht zur Erdoberfläche durchbrechen konnte, sondern darunter domartig erstarrte. Schon aus römischer Zeit sind Steinbrüche (Quarztrachyt) am Drachenfels belegt. Besonders im Mittelalter war der Drachenfels-Trachyt rheinabwärts ein viel verwendeter Baustein, z.B. beim Bau des Kölner Doms. Die gleichnamige Burgruine ist heute das Wahrzeichen des Siebengebirges. In Königswinter hingegen kann man das Schloss Drachenburg, 1882 im historistischen Stil erbaut, besichtigen. Sie steht unter Denkmalschutz und wurde von 1995 bis 2010 in Anlehnung an den ursprünglichen Zustand restauriert. Der Schlosspark gehört zu den Gründungsmitgliedern der Straße der Gartenkunst zwischen Rhein und Maas, ist Teils des European Garden Heritage Network und gilt als herausragendes Beispiel für das Genre. Last but not least möchte ich aber noch den Petersberg erwähnen. Er ist von großer Bedeutung in der deutschen Nachkriegsgeschichte, war Sitz der höchsten Alliierten-Vertreter nach dem Zweiten Weltkrieg, seit 1990 dient das Grandhotel auf dem Petersberg als Gästehaus der Bundesrepublik Deutschland. Auch wenn aufgrund der Nähe zu Berlin das Schloss Meseberg das neue Gästehaus der Bundesregierung ist, so nutzen heute noch deutsche Verfassungsorgane das Hotel nicht nur allein wegen seiner Sicherheit. Der Petersberg beherbergte schon einige illustre Gäste wie beispielsweise die britische Königin Elisabeth II. oder Michael Schumacher und seine Hochzeitsgäste.

Es lässt sich viel erzählen zum Siebengebirge, zu seinen Felsen, seiner Ortschaften am Rhein und seinen Sehenswürdigkeiten. So sehr wie der Rheinsteig bei den Etappen durch dieses verzauberte Mittelgebirge seinem Namen alle Ehre macht, so sehr lohnen sich die Wanderungen. Der Steig bringt einen zu ungewöhnlichen Plätzen und Orten. Und ist am Ende seines Weges auch so ganz anders als am Anfang im Rheingau. Wunderschön ist er aber auf jedem seiner Kilometer!

Foto: © Blacky – Fotolia.com

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