Kestert nach Kamp-Bornhofen

» Gepostet von am Mai 19, 2013 in Rheinsteig Etappen | Keine Kommentare

Kestert nach Kamp-Bornhofen

Exmoorponys, südafrikanische Burenziegen und zwei Brüder

Zur Osterzeit beginnt normalerweise die Saison für ausgedehntere Spaziergänge und die ersten Wanderungen, denn ein Hauch von Frühling liegt in der Luft, wenn der Osterhase die bunten Eier im Garten versteckt. Nicht so dieses Jahr. Der Winter hat uns immer noch im Griff, Schnee und eisiger Wind verdirbt ein bisschen die Laune. Trotzdem möchte ich die kleine Serie der Etappen-Beschreibungen des Rheinsteigs an dieser Stelle fortsetzen, denn irgendwann – da bin ich mir sicher – wird es auch Frühling. Allerdings ist die hier folgende Etappe nichts für Einsteiger nach dem Winter oder ungeübte Wanderer. Die Strecke von Kestert nach Kamp-Bornhofen hat es in sich und zählt zu den schweren Etappen. Aber die Wandersaison ist dieses Jahr hoffentlich eine lange und dann bietet sich auch diese Strecke durchaus mal an. Sie ist nämlich wunderschön und lohnt sich!

Beginnen wir mit den Eckdaten: Sie ist ca. 12 km lang, gilt als schwer, man braucht ordentlich Kondition und eine gute Technik, und sie dauert in etwa 4 Stunden. In Kestert am Bahnhof geht es unter der Unterführung durch nach links und dort findet man eine Treppe, die einem den “Zubringer” zum Rheinsteig anzeigt. Hier geht es wie immer beim Rheinsteig erst einmal ordentlich bergan. Ein asphaltierter Weg, der einen ein wenig nach links führt, bringt einen schließlich auf den Rheinsteig mit seiner sehr guten Beschilderung. Der Steig bringt einen erst einmal ein bisschen weg vom Rhein durch Wald und Wiesen zur Hindenburghöhe mit seinem Ratzeburger Wasserturm. Der Turm selbst ist leider nicht als Aussichtsturm zu nutzen, aber dennoch gilt die Hindenburghöhe als Aussichtspunkt. Von hieraus geht es weiter über den Meisenkopf nach Lykershausen. Der Ort ist nun nicht so wahnsinnig spannend, deshalb geht es gleich weiter. wieder in Richtung Rheintal. Über freies Feld wandert man zu einem Wald besonderer Art, denn hier weiden in einem großzügig umzäunten Gebiet Exmoorponys und südafrikanische Burenziegen. Die Ponys und Ziegen sind ganz knuffig, sehen nteressant aus (die Ziegen zumindest) und bringen einen Hauch der weiten Welt in das Mittelrheintal. Tatsächlich sollen sie das Gestrüpp kurz halten.

An ihren Gebiet vorbei gewandert, blitzen erstmals die Türme der feindlichen Brüder auf. Mit den feindlichen Brüdern sind die Burgen Liebenstein und Sterrenberg gemeint. Jetzt wird es geschichtsträchtig und sagenumwoben – mal wieder. Der Sage nach wuchsen die Brüder Heinrich und Konrad aus dem Geschlecht der Beyer in der kurfürstlichen Burg von Boppard auf. Mit ihnen wuchs ein Pflegekind auf, das als Waise mit in die Familie aufgenommen worden war. Heinrich und Konrad verliebten sich in Hildegard, dem Pflegekind, aber Hildegard liebte Konrad und Heinrich ließ seinem Bruder den Vortritt. Hildegard und Konrad heirateten und sie zogen in ihr neues Heim auf der anderen Rheinseite, denn dort hat der Vater auf den beiden nebeneinander liegenden Hügeln zwei Burgen erbauen lassen. Heinrich hingegen litt unter Liebeskummer und schloss sich den Kreuzzügen an. Dort vollbrachte er Heldentaten, die auch Konrad und Hildegard erreichten. Konrad wollte nun auch Heldentaten vollbringen und seinen Mut beweisen. Er zog ebenfalls los, aber kaum war er auf und davon, kehrte Heinrich zurück und erzählte, dass sein Bruder nur kurz im Heiligen Land gewesen und nach Athen gereist sei. Damit Hildegard nicht allein auf einer Burg saß, zog Heinrich zu ihr, respektierte jedoch den Bund der Ehe und schließlich kehrte auch Konrad zurück. Dummerweise war er aber nicht allein, sondern hatte eine schöne Griechin an seiner Seite. Hildegard, tief gekränkt, wurde zu einer ernsthaften, traurigen Frau. Diese Schmach konnte Heinrich nicht ertragen und ließ eine Mauer zwischen den beiden Burgen erbauen. Zudem forderte er seinen Bruder zum Duell heraus. Doch Hildegard trat zwischen die beiden Brüder, als es zum Duell kommen sollte, und bat sie, nicht miteinander zu kämpfen. Sie selbst würde stattdessen in das Kloster Marienberg in Boppard gehen und somit nicht mehr zwischen den beiden verfeindeten Brüdern stehen. Der Streit wurde beigelegt, Hildegard ging ins Kloster und Heinrich zuog sich auf seine Burg Liebenstein zurück. Konrad hingegen feierte wilde Fester auf Burg Sterreberg, vermisste aber seinen Bruder sehr. Irgendwann ging er hinüber zu seinem Bruder Heinrich und erzählte ihm, dass die schöne Griechin ihn wegen eines anderen Ritters verlassen hatte. Und so kam es, dass die beiden feindlichen Brüder wieder eine Freundschaft schlossen. Nach wenigen Jahren starb Konrad und Heinrich ging ins Kloster Bornhofen. Heinrich und Hildegard starben am gleichen Tag, so dass die Marienberger Totenglocke und die Bornhofener Grabesglocke zur gleichen Zeit läuteten. Heute sind die beiden Burgen bewirtschaftet und es lohnt sich ein Besuch. Die Aussicht ist wunderbar.

Nach einer Rast geht es zur Loreley-Burgen-Straße im Bornhofener Bachtal runter. Hier beginnt die Bohlentreppe, eine Himmelsleiter mit 82 Stufen. Und weil dem Guten noch nicht genug, folgt ein steiler Serpentinenpfad. Gott sei Dank flacht dieser weiter oben ab. Aber es ist wie immer, die Mühen lohnen sich, denn nun geht es auf einen herrlichen Hangweg zur Bruno-Löhr-Hütte. 2002 wurde hier die Allee der Bäume angelegt und jeweils am 25. April wird hier der neue Baum des Jahres gepflanzt. Weiter geht es zum Kamphauser Feld, wo der Naturlehrpfad des Kamper Hang auf den Rheinsteig trifft. Über den Naturlehrpfad erreichen wir unser Etappenziel Kamp-Bornhofen. Wer mag kann hier das Kloster Bornhofen, wo Heinrich seinen Lebensabend verbracht hat, besuchen. Die Etappe selbst ist auf jeden Fall eine Wanderung wert!

 

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