Von Lorch nach Kaub

» Gepostet von am Aug 23, 2012 in Rheinsteig Etappen | Keine Kommentare

Von Lorch nach Kaub

Wild-romantischer Rheinsteig!

Der Sommer hat seinen Höhepunkt erreicht. Deutschland ist ein Glutofen und Wandern ist bei 38 Grad Hitze sicherlich nicht empfehlenswert. Bewegung tut gut, aber nicht bei den Temperaturen. Da sollte man seinen Sport doch besser auf die frühen Morgenstunden verschieben. Bevor Deutschland aber am Wochenende ordentlich eingeheizt wurde, war es am Freitag ja noch mehr oder weniger angenehm. Und ich hatte frei! Yeah! Da wollte ich den Tag doch nutzen, um eine vergleichsweise kurze Etappe am Rheinsteig zu wandern. Und was bietet sich dafür besser an, als eine mittelschwere Etappe von 4,5 Stunden Dauer, die einen konditionell nicht überfordert! Die Etappe von Lorch nach Kaub ist genau so eine Strecke und die sollte es sein!

Der Rhein und damit auch der Rheinsteig hat seit Assmannhausen sein Gesicht verändert. Der Fluss windet sich durch den rauen Schieferfels, der rechts und links aufragt und mit hübschen Burgen, Burgruinen und Schlössern gespickt ist. Die Weinberge zeugen von traditionsreicher, jahrhundertlanger Landwirtschaft und versprechen genüßliche Gaumenfreude. Wild-romantisch ist diese Gegend, schön und verwunschen zugleich. Ich fahre mit dem Auto nach Lorch und parke wie immer am Bahnhof. Und dann geht es los. Die Pfarrkirche St. Martin ist die Sehenswürdigkeit schlechthin. Der geschnitzte Hochaltar ist der Größte seiner Art in Deutschland. Und man sagt, es gäbe irgendwo zwischen den Orgelpfeifen der Kirchenorgel ein Geheimfach, in dem immer einer Flasche Wein für den Organist steht. Damit der arme Mann (oder die arme Frau) keinen Durst erleiden muss, wenn die Lieder etwas länger dauern.

Der Rheinsteig beginnt an der Wisperbrücke, die 1552 gebaut wurde. Und von dort geht der Rheinsteig gleich mal richtig steil hinauf. Puh! Wie gut, dass es danach erst einmal recht flach auf dieser Etappe bleibt. Zum Nollig hinauf zu wandern, ist zwar kein Spaß, also für mich jedenfalls nicht, aber oben angekommen, wird man für die Anstrengung gebührend entschädigt. Der Festungsturm war einst Teil der Stadtmauer, die Lorch an der Mündung der Wisper umschloss. Was jetzt kommt, ist Genusswandern pur, und hier weiß ich auch, warum ich so gerne wandern gehe. Es ist einfach schön! Ich bin hoch über dem Fluss und gehe entlang der Weinberge zur Clemenskapelle, die 1908 erbaut wurde und einen malerischen Akzent setzt. Es geht weiter durchs Retzbachtal, am Engweger Kopf entlang zur Wirbelley, einem herrlichen Aussichtspunkt. Von hier hat man einen hervorragenden Blick auf die Bacharacher Werth, den dazugehörigen Ort Bacharach, der aufgrund der beeindruckend mächtigen Burg Stahleck und der Wernerkapelle, einer gotischen Kirchenruine von 1293, als heimliche Hauptstadt der Rheinromantik gilt. Ich brauche ein Päuschen und hier ist genau die richtige Stelle dafür.

Und nach meiner Ruhe- und Entspannungspause geht es weiter ins Niederthal. Der Niederthalbach ist ein Grenzbach und markiert die Grenze zwischen Hessen und Rheinland-Pfalz. In früheren Zeiten standen hier unten am Bach die Galgen des Mainzer und die des kurpfälzischen Hochgerichts gegenüber und grüßten sich auf schreckliche Art und Weise. Ich überquere den Bach und nun geht es noch einmal steil bergauf. Der Paul-Claus-Pfad geht in Serpentinen ordentlich bergan. Wer will, kann kurz darauf einen Querweg nehmen und gemütlich nach Kaub laufen. Der Rheinsteig aber zweigt noch einmal ab  und macht einen gehörigen Schlenker über das Volkenbachtal zur Burg Gutenfels. Diese wurde zwischen 1220 und 1230 erbaut und ist ein selten gut erhaltenes Beispiel des staufischen Burgenbaus. Die Burg war früher ein Hotel, seit 2006 aber ist sie in Privatbesitz. Wer hier angekommen ist, hat es wirklich nicht mehr weit bis nach Kaub. In einem weiteren Schlenker geht es runter an den Rhein. Vom Rheinsteig aus konnte man sie schon ab und zu mal erblicken – die Burg Pfalzgrafenstein mitten im Fluss. Die Pfalz wurde ausschließlich aus ökonomischen Gründen erbaut, denn sie diente als Zollburg. Wer seinen Zoll nicht entrichten wollte, wurde kurzerhand in ein Verlies gesteckt, dessen Boden man je nach Wasserstand heben und senken konnte. Die Burg Pfalzgrafenstein ist einer der wenigen Burgen im oberen Mittelrheintal, die nie zerstört wurde.

Ich bin in Kaub angekommen. Hier steht das Blücher-Museum, das an die spektakuläre Rheinüberquerung des Generalfeldmarschalls Gebhard Leberecht von Blücher in der Neujahrswoche 1814 erinnert. Das Museum ist das ehemalige Hauptquartier der Blücher-Truppen, ein Gasthaus in der Metzgergasse. Von hier aus koordinierte man den Bau der Pontonbrücke und damit verbunden die Rheinüberquerung. 50.000 Soldaten, 15.000 Pferde und 182 Geschütze überquerten den Fluss, was im Museum anschaulich dargestellt wird. Kaub selbst ist als südlichster Punkt der Beginn des Loreley-Burgen-Landes. Der Ortskern ist komplett denkmalgeschützt und bietet viele Sehenswürdigkeiten, unter anderem auch die Doppelkirche.

Nach einer Rast und einer kleinen Ortsbegehung bringt mich der Zug zurück nach Lorch und damit auch zurück zu meinem Auto. Beseelt von all den schönen Eindrücken fahre ich gemütlich nach Hause in meine Großstadt und lasse den Tag in einer traditionellen Apfelweinwirtschaft ausklingen. Ich finde, ich habe mit dieser Wanderung das heißeste Wochenende diesen Jahres ganz wunderbar eingeläutet.

Kommentar absenden

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

Du kannst folgende HTML-Tags benutzen: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <strike> <strong>