Von Rüdesheim nach Lorch

» Gepostet von am Jul 18, 2012 in Rheinsteig Etappen | Keine Kommentare

Von Rüdesheim nach Lorch

Adé, Du schöner Rheingau! Herzlich Willkommen im Mittelrheintal!

Es ist Sommer. Ein deutscher Sommer. Heißt, wer ein Schön-Wetter-Wanderer so wie ich ist, der hat zur Zeit definitiv schlechte Karten. Aber am Samstag konnte man durchaus ein paar Kilometer wandern, nur die Regenjacke sollte man sicherheitshalber im Rucksack haben. Gesagt, getan! Es ging mal wieder mit dem Auto nach Rüdesheim und ich parkte wie üblich am Bahnhof. Diesmal hatte ich Großes vor: ich wollte den Rheinsteig entlang von Rüdesheim nach Lorch. Das ist eine Etappe von 20,3 Kilometern Länge, einer Dauer von 6,5 Stunden und einem mittleren Schwierigkeitsgrad. Für mich geht es am Vormittag los. Schließlich hat es die Strecke konditionell in sich und ich will genügend Zeit und Spielraum für Pausen haben. Unabhängig davon lohnen sich auf dieser Strecke Pausen sowieso immer, denn die Aussicht über den Rhein ist fantastisch.

Es sind die letzten Kilometer im schönen Rheingau und ich starte ein weiteres Mal am Niederwalddenkmal, das ich mit der Seilbahn erreiche. Anstiege wird es noch genügend auf der Etappe geben, da muss man es nicht gleich am Anfang übertreiben. An der Germania angekommen, genieße ich ein weiteres Mal den Blick über die Weinreben, dann geht es los in Richtung Assmannhausen. Das Niederdenkmal liegt übrigens im Landschaftspark Niederwald, den Carl Amor Maria Graf von Ostein 1764 anlegen ließ, um die Gartenanlagen des Rokoko zu imitieren. Was letztlich bedeutet, dass ich auf dem Weg zum Jagdschloss Niederwald an Rossel (einem Turm in Form einer künstlichen Ruine mit super Aussicht übers Rheintal), Rittersaal (leider stehen nur noch die Grundmauern) und Zauberhöhle mit Zauberhütte (u. a. mit Blick auf die Burg Rheinstein im Binger Wald) vorbei komme. Das Jagdschloss ist heute ein Hotel mit angeschlossenem, öffentlichen Restaurant. Von hier aus kann man sich entscheiden, ob man wieder ein paar Kräfte sparen und mit der Seilbahn nach Assmannshausen runter fahren möchte oder man dem Rheinsteig auf dem Weg nach unten weiter folgt. Ich entscheide mich für Letzteres und wandere nach Assmannshausen rein. Das Städtchen ist nicht nur sehr pittoresk, sondern auch die Rotwein-Hochburg im Rheingau. 90% der Reben ist ein Spätburgunder, den schon berühmte Persönlichkeiten wie Clemens Brentano, Kaiser Wilhelm I. und Wilhelm II. oder auch Otto von Bismarck gerne genossen. Der bekannteste Weinberg ist der Höllenberg, dessen Namen nichts mit dem Teufel zu tun hat, sondern von dem Wort “helda” = “steiler Hang” abstammt. Allerdings finde ich, dass der Höllenberg durchaus etwas Teuflisches hat: Er ist nämlich teuflisch steil!

Am Eckersteinkopf angekommen, wandelt sich der Rheinsteig zu einem schmalen Fußweg eng am Hang. Auf diesem Stück trägt der Rheinsteig seinen Namen zu Recht, denn der Weg ist mit unzähligen Felsbrocken “gepflastert”. Der Pfad mündet bald in den Panoramaweg. Und auch hier ist der Name Programm! Das Panorama an der Paul-Claus-Hütte entschädigt für den steilen Aufstieg am Höllenberg. Vorbei am Bacharacher Kopf geht es zum Teufelskadrich, wo diesmal tatsächlich der Teufel auf dem steilen Schieferfels hausen soll. Für meine Mühen werde ich mit einem sagenhaften Blick auf die Burg Reichenstein belohnt. Aber bevor mir noch jemand mit einem Pferdefuß begegnet, wandere ich weiter zum nahgelegenen Bodental. Der Rheinsteig verlässt hier seinen Verlauf am Rhein entlang und macht eine Schleife, verläuft aber dann wieder parallel zum Rhein. Dabei kommt man am Freistaat Flaschenhals vorbei. Ausgerufen wurde der Freistaat von den Lorchern nach dem Ersten Weltkrieg und markierte ein schmales Gebiet zwischen dem Rhein und dem unbesetzten Teil der preußischen Provinz Hessen-Nassau. Unbesetzt blieb dieses Gebiet in Form eines Flaschenhales allerdings nur bis 1923, dann war es durch die Franzosen mit dem Freistaat wieder vorbei.

Bis nach Lorch ist es noch ein ganzes Stück. Deshalb mache ich ein Päuschen mit Blick auf die Burg Sooneck gegenüber. Dann erscheint die Lorcher Werth und der Rheinsteig macht ein zweites Mal eine Schleife in den Bächergrund hinein. Danach ist Lorch nur noch einen Katzensprung entfernt. Das Städtchen lebt vom Weinbau und Tourismus. Sehenswert ist die Pfarrkirche St. Martin mit ihrem wunderschönen geschnitzten Hochaltar vom Meister Hans von Worms. Er schnitzte diesen Altar 1483.

Ich bin jetzt im Mittelrheintal angekommen. Hier in Lorch verweile ich ein bisschen, entspanne bei gutem Essen und ruhe mich ein wenig aus. Es war eine anstrengende, aber schöne Etappe! Am Ende des Tages geht es zum Lorcher Bahnhof, von wo ich mit dem Zug wieder zurück zu meinem Auto in Rüdesheim fahre. Ich bin müde, aber glücklich. Heute Nacht werde ich gut schlafen können!

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